Guggenworld - Die Guggenmusik Community - Das Forum Guggenworld - Die Guggenmusik Community - Das Forum
Registrieren | FAQ | Suche | Wer ist online? | Heutige Beiträge | Einloggen



Autor Thema: Historisches zum Thema Guggenmusik
Vielfrass
Guggt fast täglich rein... immer gerne gesehen
***
ID # 620


  Erstellt am 17. März 2008 09:24 (#1)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
sodele lieber BABBE, haste Gelde gespart

Erste Guggen bereits um 1900
Für die Zeit um die Jahrhundertwende darf die Existenz von Guggenmusiken als sicher angenommen werden, wenn wir beispielsweise 1902 vernehmen, dass die "Wasserwerkler-Musik" am Mittwochnachmittag "grosse Heiterkeit" erzeugte und im Jahr danach eine "Tiroler Damenkapelle" und weitere "kostümierte Musikabteilungen fleissig ihre lustigen Weisen ertönen liessen". Das Wort "Guggenmusik" begegnet uns das erste Mal 1906 im "Verzeichnis der Fastnachtszüge" neben zehn anderen Musiken: Eine "Guggenmusik" spielte als Sujet die Deutschlandreise der "verkrachten" Stadtmusik Concordia aus. Ob sich hinter der Gruppenbezeichnung "Krachauers" auf derselben Liste eine weitere Guggenmusik versteckt, konnten wir nicht herausfinden. Zum Mittwoch-Morgenstreich wurde übrigens in der Presse gemeldet: "An neuen Zügen traten, so viel wir bemerken konnten, eine originelle Katzenmusik auf und ein nicht minder origineller Mandolinenklub". 1907 sah der Berichterstatter am Morgenstreich "einen Trupp Bremer Stadtmusikanten, die auf ihren Instrumenten ein Geräusch erzeugten, das 'Stein erweichen, Menschen rasend machen kann'...". Vom Montag-nachmittag wird dann gemeldet: "Von den einzelnen Wagen, welche durch die Strassen zogen, riefen besondere Heiterkeit hervor die 'Saharet' der Guggenmusik"; ihr Fasnachtszettel hat sich erhalten. Beim Umzug vom Mittwochnachmittag ist ausserdem von einer "Trost-Clique" die Rede, einem Musikkorps in Trauerkleidung, welche das Fernbleiben der Basler Musikvereine ausspielte, die wegen der offensichtlich nicht übergrossen Subvention nicht mitzumachen gewillt waren. Die Clique spielte den Trauermarsch von Chopin "grotesk". Am Morgenstreich 1908 "lässt eine Blechmusik ihre zum Himmel schreienden Weisen erschallen und kaum fünf Schritte weiter lässt es einem die richtige 'Tschinnerättemusik' durch Mark und Bein fahren". Zwischen 1911 und 1914 nahm regelmässig die "Alt-Guggenmusik Horburg" an den vom Comite (gegr. 1910) organisierten und subventionierten Umzügen teil. Diese Guggenmusik setzte sich möglicherweise aus Mitgliedern des Musikvereins Horburg (Industriequartier in Kleinbasel) zusammen. Für 1913 entnehmen wir dem offiziellen Führer des Fasnachts-Comites, dass auch eine weitere Guggenmusik mit dem Sujet "Waggismusik" gemeldet war. An die Beteiligung von Guggenmusiken am Morgenstreich von 1914, dem letzten für mehrere Jahre, kann sich ein alter Fasnächtler noch gut erinnern: "D Melody hesch miesse verroote".

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg sind Guggenmusiken zwar bald wieder unterwegs, doch offensichtlich eher am Morgenstreich und an den Abenden. Von "Unbaslerischem am Morgenstreich" lesen wir 1923 im "Briefkasten des Publikums": "In den Restaurationen der innern Stadt trieb sich eine richtige 'Guggenmusik' herum, die da und dort ein Stücklein spielte und dann mit dem Hut einsammeln ging", was der Einsender als"Unzeug" betrachtete und zu "energischem Protest" veranlasste. Aber mit den Musiken am Morgenstreich war es nicht mehr grossartig bestellt. Obwohl noch im Vorjahr "einige kleinere 'Guggenmusige' den Tumult erhöhten", schreibt 1931 ein Einsender in den "Basler Nachrichten": "Zu wünschen wäre auch noch eine Wiederbelebung des Morgenstreichs durch Musikkorps, wie auch dies noch vor dem Kriege der Fall war. Es brauchen gar keine richtigen Musikkorps zu sein, einige wenige wirkliche Instrumente genügen, das übrige wird durch Lärm und Rhythmus ersetzt und erzielt vollkommen die gewünschte Wirkung. Solche Gruppen und Grüpplein würden den ganzen Betrieb günstig beeinflussen. Das Fasnachtscomite des Quodlibet unterstützte denn auch speziell solch belebende Gruppen am Morgenstreich, wenn auch meistens nur in 'Natura', was aber doch willkommen war". 1934 meldet dann ein Journalist vom Morgenstreich: "... da rasselte rücklings, nach alter Väter Sitte auf dem Trottoir, die erste Guggemusik mit ohrenbetörendem Getschätter vorbei. Das gibt es also wieder? Bravo!" Auch in den folgenden noch bis zum Kriegsausbruch verbleibenden Jahren begegnen wir ständig Erwähnungen von Guggenmusiken (allerdings mit wechselnden Bezeichnungen), die "mit schmetterndem Getöse nahen", "bäumig schränzen" und "vorüber rasseln". Doch die Guggenmusiken, unter den durchschnittlich acht zwischen 1911 und 1939 subventionierten Musikgruppen sicher die Minderheit, sorgten für Veränderung des fasnächtlichen Musik-Geschmacks: "Könnte nicht auch die musikalische Belebung der Banden baslerischer und fasnächtlicher um- und ausgestaltet werden? Der Aufmachung einzelner Musikgruppen fehlte am gestrigen Nachmittag auch wirklich jeder Hauch fasnächtlichen Geistes! Sollte die Anpassung tatsächlich so schwierig sein? Wir glauben nicht. Sicherlich dürfen die Musikgruppen in Zukunft nicht mehr solche Fremdkörper im Bild unseres Fasnachtsbildes darstellen, wie dies gestern teilweise der Fall war". Damit waren selbstverständlich jene Musikvereine gemeint, die nach Noten spielten und - wie Photos der dreissiger Jahre zeigen - auch von der Kostümierung her nicht besonders originell die Umzugsroute abschritten. Statt sich nach obigem Wunsch fasnächtlicher zu geben, distanzierten sich die Musikvereine von einer Teilnahme an der Fasnacht, weil "die Guggenmusiken immer mehr überhand nahmen".

Auch an den "Konservenfasnachten" 1940-1945 (ohne Strassenfasnacht) waren die Guggenmusiken zu hören - allerdings bloss in geschlossenen Räumen, in Wirtschaften, an Bällen und auch am "Monstre-Trommel-Konzert". Diese seit 1906 bestehende Vorfasnachtsveranstaltung wurde bereits 1909 durch den Vortrag einer Blasmusik (Musikverein Amicitia) mitgestaltet, was sich später (z.B. 1918) wiederholte. Bald nach der Gründung der "Jeisy Migger-Guggenmuusig" nach der Fasnacht 1926 war auch der Auftritt dieser Guggenmusik während über 25 Jahren ein fester, wenn auch nicht im Programm figurierender Bestandteil des "Monstre" im "Küchlin-Theater". Nur ein einziges Mal - an der ersten Nachkriegsfasnacht 1946 - machten sie auch an den Umzügen von Montag und Mittwoch mit. Insgesamt sieben Musikgruppen - nun alles Guggenmusiken - waren für diese Fasnacht beim Comite gemeldet. Sie trugen Namen wie "Dreiroserampe-Schränzer-Guggemusig", "Chnullerifurzguggerabbsi", "Schluch-und Guggemusig Breiti" (auf einem Auto) und "Studio Neubad-Guggemusig". In den folgenden Jahren erscheinen immer mehr Guggenmusiken in den Verzeichnissen des Fasnachts-Comites. Zunächst teilweise noch mit wechselnden Bezeichnungen wie beispielsweise die "Schotten-Clique" (gegr. 1947), die über "Hirschenegg-Schotte", "Hirschenegg-Clique" und "Schotteclique Hirschenegg" zu ihrem heutigen Namen fand. Wie das Guggenmusikwesen in Basel sich seit 1946 entwickelt hat, zeigen diese wenigen Zahlen, welche nur die beim Comite gemeldeten Gruppen berücksichtigen: 1946 = 7 / 1956 = 13 / 1966 = 24 / 1976 = 38 1985 = 67 / 1995 = 70 / 1996 = 75 / 1997 = 78

Wie wir gesehen haben, sind für Basel Guggenmusiken bereits um 1900 bezeugt. Die Stadt am Rheinknie ist also Ursprungsort der "Guggenmusik-bewegung", die inzwischen Landes- und Sprachgrenzen überschritten hat. Allerdings wurden teilweise auch andere Lärmformationen mit der jüngeren Guggenmusik verschmolzen oder leben in Koexistenz mit ihr. Es soll hier nicht noch eine Geschichte des Guggenmusikwesens des ganzen Landes angeregt werden. Immerhin sei darauf hingewiesen, dass z.B. in Luzern, Zürich und Solothurn direkt und/oder indirekt Basler Guggenmusiken imitiert wurden. In Luzem, wo 1948 eine Basler Formation am Fritschi-Umzug teilnahm, wurde noch an der gleichen Fasnacht eine Gruppe auf Initiative des in Luzern wohnhaften Baslers Sepp Ebinger gegründet. Diese Musik nahm im Jahr darauf an der Zürcher Fasnacht teil, wo bereits 1948 durch zwei Basler Originale, Lucca und Wiesely, eine Guggenmusik improvisiert worden war. In Solothurn schliesslich, wo eine "Chesslete" schon lange den Fasnachtsbeginn bildet, liess sich 1949 der Obmann einer Fasnachtszunft an der Basler Fasnacht inspirieren und gründete mit den Zunftmitgliedern kurz darauf die erste Solothurner Guggenmusik. Auch diese und selbstverständlich noch weitere Orte wurden rasch zu Innovationszentren, vornehmlich für ihre jeweilige Region. Durch die rege Reisetätigkeit, verbunden mit der Teilnahme an auswärtigen Fasnachtsveranstaltungen, ist die Guggenmusik als fasnächtliche Unterhaltungsform längst in allen umliegenden Staaten bekannt und beliebt und findet sogar Nachahmung.[edit]

[ Beitrag am 17. März 2008 09:27 bearbeitet von Vielfrass ][/edit]

-----------------------
Es nützt auch kein Heilbad, wenn man im Kopf ein Beil hat.

Beiträge: 1691 | Mitglied seit: Januar 2004 | IP-Adresse: gespeichert
BABBE
Fühlt sich wie zu Hause
***
ID # 1225



-215-637-200
  Erstellt am 17. März 2008 09:51 (#2)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
Was hat das ganze mit dem Buch zu tun? Ich denke in dem Buch geht es doch auch um die Guggebewegung in und um Schwäbisch Gmünd ... ???

-----------------------
www.nodepirade.de

Beiträge: 446 | Mitglied seit: März 2005 | IP-Adresse: gespeichert
Vielfrass
Guggt fast täglich rein... immer gerne gesehen
***
ID # 620


  Erstellt am 17. März 2008 10:01 (#3)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
Na ja, du hast ja auch erst mal das "einmaleins" gelernt, bevor du ans Bruchrechnen gegangen bist

Ein solides Grundwissen ist unerlässlich zur Meinugsfindung. Sei also dankbar!!

-----------------------
Es nützt auch kein Heilbad, wenn man im Kopf ein Beil hat.

Beiträge: 1691 | Mitglied seit: Januar 2004 | IP-Adresse: gespeichert
BABBE
Fühlt sich wie zu Hause
***
ID # 1225



-215-637-200
  Erstellt am 17. März 2008 10:09 (#4)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
Danke Vielfrass ... Danke ... :D

-----------------------
www.nodepirade.de

Beiträge: 446 | Mitglied seit: März 2005 | IP-Adresse: gespeichert
Powerguggi
Stammgugger
**
ID # 2378


  Erstellt am 17. März 2008 11:19 (#5)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Da hat sich mal jemand richtig Mühe gegeben! :D

Beiträge: 219 | Mitglied seit: August 2007 | IP-Adresse: gespeichert
Marc
Guggt fast täglich rein... immer gerne gesehen
***
ID # 15


  Erstellt am 17. März 2008 13:05 (#6)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
Zitat von Vielfrass:

Sei also dankbar!!




Ich habs doch immer gewusst:

Auf Dich is halt Verlass!! :D

Beiträge: 1547 | Mitglied seit: März 2002 | IP-Adresse: gespeichert
daysleeper
Fast schon Inventar von Guggenworld
***
ID # 135


  Erstellt am 17. März 2008 13:09 (#7)  |  Zitat Zitat   PN PN   HP HP
Zitat von Vielfrass:
Sei also dankbar!!



und sie weinte aus Dankbarkeit :D

-----------------------
Wenn du nichts zu sagen hast, dann schreib auch nichts!

Beiträge: 2872 | Mitglied seit: September 2002 | IP-Adresse: gespeichert
Vielfrass
Guggt fast täglich rein... immer gerne gesehen
***
ID # 620


  Erstellt am 17. März 2008 14:49 (#8)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
Zitat von daysleeper:
Zitat von Vielfrass:
Sei also dankbar!!



und sie weinte aus Dankbarkeit :D



Sie weinte VOR Dankbarkeit ;)

-----------------------
Es nützt auch kein Heilbad, wenn man im Kopf ein Beil hat.

Beiträge: 1691 | Mitglied seit: Januar 2004 | IP-Adresse: gespeichert
daysleeper
Fast schon Inventar von Guggenworld
***
ID # 135


  Erstellt am 17. März 2008 15:09 (#9)  |  Zitat Zitat   PN PN   HP HP
Echt? :con1:

-----------------------
Wenn du nichts zu sagen hast, dann schreib auch nichts!

Beiträge: 2872 | Mitglied seit: September 2002 | IP-Adresse: gespeichert
BABBE
Fühlt sich wie zu Hause
***
ID # 1225



-215-637-200
  Erstellt am 17. März 2008 15:21 (#10)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
Babbe kniet nieder ...

... man könnte auch sagen,er weilt voller Erfurcht

-----------------------
www.nodepirade.de

Beiträge: 446 | Mitglied seit: März 2005 | IP-Adresse: gespeichert
Schalom
Kennt sich schon aus
**
ID # 1579


  Erstellt am 17. März 2008 22:49 (#11)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
Jetzt weiß i des also au mal :D
Daaaaaaanke für den klasse Thread

-----------------------
I don´t play the drums, i think i have sex with them!!!

Beiträge: 92 | Mitglied seit: Januar 2006 | IP-Adresse: gespeichert
flo-si
Guggt fast täglich rein... immer gerne gesehen
***
ID # 257


  Erstellt am 18. März 2008 15:25 (#12)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
Also, der Text ist auch schon einige Jährchen alt und wurde an anderer Stelle hier im Board bereits zitiert ... Nix Neues also ;)

-----------------------
Keep on guggin'

flo-si
www.fasnet-musix.de
Webdesign (nicht nur) für Guggenmusik-Vereine

elbscheechen Guggenmusik Dresden

Beiträge: 1446 | Mitglied seit: Februar 2003 | IP-Adresse: gespeichert



| Guggenworld.de | Boardregeln | powered by MGWS | Impressum


Tritanium Bulletin Board 1.6
© 2010–2014 Tritanium Scripts